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Kirche und Arbeitnehmerschaft einander näher zu bringen war ein zentrales Anliegen von Pfarrer Harald Poelchau (1903-1972), der 1951 erster "Sozialpfarrer" in Berlin wurde. Als Schüler des evangelischen Theologen und religiösen Sozialisten Paul Tillich suchte er nach einer Einheit von Theologie und gesellschaftlich-pädagogischer Praxis. Ihm war klar, dass die Evangelische Kirche mit ihrer Verankerung im Bürgertum Arbeiter schon lange nicht mehr erreichte. Um die jungen Arbeiter zu erreichen, nahm Poelchau Kontakte zu den Berufsschulen auf und gründete 1957 gemeinsam mit Pfarrer Dr. Franz von Hammerstein die Evangelische Berufsschularbeit. Gemeinsam arbeiteten Pädagoginnen und Pädagogen und Theologinnen und Theologen in verschiedenen Formen: Mitarbeit im Gemeinschaftsunterricht, freiwillige Arbeitsgemeinschaften an Berufsschulen, Freizeiten, Fahrten und Wochenendveranstaltungen im Haus der Industriejugend in Charlottenburg. Damit gab es Religionsunterricht in Berlin auch an beruflichen Schulen.

Als für die Evangelische Berufsschularbeit ein eigenes Tagungshaus errichtet wurde, wählte man den Namen "Haus Kreisau". Poelchau war während des Nationalsozialismus Gefängnispfarrer in Tegel und Plötzensee gewesen und hatte - von der Gestapo unentdeckt - selber dem Kreisauer Kreis angehört. "Vor allem das gemeinsame Suchen, Denken und Handeln einer sehr verschiedenen Gruppe von Menschen (Kreisauer Kreis) soll durch diesen Namen unterstrichen werden. Die verschiedenen Bereiche menschlicher Verantwortung - sozial, politisch, christlich - fallen bei ihnen nicht auseinander, sondern bilden eine Einheit." (F.v.Hammerstein, Begründung zur Namensgebung, 1964) Mit seinem Namen stellt sich Haus Kreisau in eine Tradition des Widerstehens gegenüber Unrecht und Tyrannei, des Eintretens für Menschlichkeit und Toleranz und der Orientierung auf ein vereinigtes und friedliches Europa.

Das neue Haus in Berlin-Kladow ermöglichte die Durchführung von ein- und mehrtägigen Seminaren und führte zu einer Intensivierung der Kontakte zu den Berliner Berufsschulen. Nach einer baulichen Erweiterung wurde Haus Kreisau 1982 zu einer vom Berliner Senat zur Durchführung von Bildungsurlaubsseminaren berechtigten Jugendbildungsstätte und damit zum anerkannten Träger politischer Bildung. Auf dieser doppelten Grundlage, Träger politischer Bildung und Anbieter von Evangelischem Religionsunterricht an beruflichen Schulen, steht seitdem das vielfältige Angebot der Evangelischen Berufsschularbeit mit ihrer Jugendbildungsstätte Haus Kreisau. In der Arbeit mit jungen Auszubildenden suchen wir immer neu nach Arbeitsformen und Themen, die dem Anspruch Rechung tragen, diesen Jugendlichen "einen anderen Weg des Zugangs zum Christentum [aufzuzeigen]... als den des lehrhaften oder emotionellen der bürgerlichen Schüler." - wie Poelchau es 1951 einmal formuliert hat.